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Katholische Kirche St. Michael Untergröningen

An der Stelle, wo heute das Schloss steht, befand sich ursprünglich eine im späten 11. Jahrhundert erbaute Burg. Mehrfach wechselte sie den Besitzer. Im 15. Jahrhundert gehörte sie den Limpurgern. Als die Burg militärisch nutzlos wurde, ließen sie die Schenken ab 1564 in ein Schloss umgestalten. Auch eine geräumige Kirche wurde ins Schloss eingebaut. Dass diese evangelisch geweiht war, versteht sich fast von selbst. Denn die Limpurger haben die Reformation nach Kräften unterstützt und ab 1544 in ihrem Herrschaftsgebiet durchgesetzt.

 

 

Der Besitz kam 1690 an die Linie Limpurg-(Ober)Sontheim. Bei der Limpurgischen Erbteilung kam Untergröningen an die Herrschaft von Hohenlohe und Waldenburg-Bartenstein. 1774 erbte die gläubige Katholikin Marie Friederike Sophie Charlotte von Hohenlohe Waldenburg Bartenstein das Schloss. Seit Jahren verwitwet, hat sie sich entschieden, ihren Lebensabend auf Schloss Untergröningen zu verbringen. Mit einem kleinen katholischen Hofstaat ist sie ins evangelische Untergröningen gekommen.

 

Sie muss sich sehr geärgert haben, im eigenen Schloss den vertrauten Gottesdienst in ihrer Wohnung feiern zu müssen, da die Schlosskirche der anderen Konfession geweiht war. Als entschlusskräftige und einfallsreiche Frau wusste sie jedoch einen Ausweg. Sie hat den Untergröningern einen Handel vorgeschlagen: Eine neue evangelische Kirche stellte sie ihnen in Aussicht und wollte dafür die Schlosskirche in ihrem Sinn nutzen.

 

Die evangelische Gemeinde hat sich auf den Tausch eingelassen. Am zweiten Adventssonntag 1777 weihten die evangelischen Christen ihre neue Kirche ein, und zur gleichen Stunde wurde die Schlosskirche katholisch. Fürstin Marie Friederike Sophie Charlotte hat dies nicht mehr erlebt, denn sie starb bereits am 2. Mai 1777, wie auf der Grabplatte in der Schlosskirche ersichtlich ist.

 

Ihr Sohn Carl Philipp hat ihre Nachfolge angetreten - auch in geistlicher Hinsicht. In Reichweite des Schlosses hat er eine katholische Kolonie gegründet. Ein kleines Stück Land, ein Häusle und Arbeit hat bekommen, wer sich in Untergröningen niederließ und eine Bedingung erfüllte: Er musste katholisch sein. So entstand in Untergröningen eine kleine altgläubige Insel, die in der Folgezeit auch Zufluchtsort für manchen katholischen Emigranten wurde.

 

Wer die Schlosskirche heute betritt, erlebt einen zweigeschossigen Kirchenraum mit einer Empore, die sich über drei Seiten hin erstreckt. An den Wänden befinden sich Tafeln eines Kreuzweges aus dem 18. Jahrhundert. Der Hochaltar stammt aus dem frühen Rokoko. Auf dem Altarbild dargestellt ist der Erzengel Michael, dem die Kirche geweiht ist, wie er mit Luzifer kämpft.